„ Hast a bisserl Zeit für mi“

Avatar of Gastautor Gastautor - 16.10.2018 - Kulinarik & Genuss

von Dominik Pignet
Zeit ist heutzutage ein wahrlich kostbares Gut und das Privileg, diese mit seinem Herzensmenschen zu verbringen, umso wertvoller. Um meiner Freundin und mir etwas Zeit zu zweit zu gönnen habe ich einen Ausflug an den Traunsee geplant und kurzerhand im Hotel „Das Traunsee“ noch ein Special buchen können.
Die „Gourmet-Sonntagszeit“ beinhaltet neben dem Zimmer mit Balkon & Seeblick auch ein reichhaltiges Frühstück sowie ein 6-Gang-Abendmenü im hauseigenen Haubenrestaurant zu einem sehr ansprechenden Preis.

 

 

 

Zimmer mit Aussicht

Der Herbst zeigte sich leider nicht gerade von seiner schönsten Seite an diesem Wochenende, dafür war der Empfang durch das Hotelpersonal umso herzlicher und lies beim ersten Rundgang durch das sehr liebevoll eingerichtete Ambiente die Wehmut im Nu verfliegen. Nach den Formalitäten gab es noch ein kleines Begrüßungsgetränk und kurz darauf wurden wir auf unser Zimmer gebracht, das wir gegen einen minimalen Aufpreis noch erfolgreich zu einer kleinen Suite upgraden konnten.

 

Hinter der Tür des Zimmers Nr. 16 empfing uns ein modern gestaltetes Zimmer in hellen Holztönen, angenehmen Farben und Stoffen, ein großzügiges Bad mit Wanne  und ein Balkon mit Blick über den herbstlichen Traunsee. Was uns besonders gut gefallen hat war eine persönlich an uns gerichtete Begrüßungskarte, etwas Obst sowie zwei Stücke hausgemachter Schokokuchen, von dem meine Freundin heute noch schwärmt!

 

Mit der Flasche Weißwein die auch im Paket inkludiert war und auf uns in einem Kühler wartete, konnten wir gebührend auf eine erholsame Zeit anstoßen.

Ankommen und Abschalten

Die Vorfreude auf das Abendessen war schon groß, da wir schon viel Gutes über die Küche gehört haben. Etwas Zeit war aber noch bis dahin, so hatten wir noch die Möglichkeit die flauschigen Bademäntel am Zimmer zu „entführen“ und mit der aus Filz liebevoll gefertigten Badetasche in den Wellnessbereich zu gehen.

 

Mit Blick auf den See und Zugang zu eben diesen freuten wir uns schon auf den ersten Aufguss in der Sauna. Hier konnten wir richtig abschalten und uns vom Alltagsstress erholen. Da wir von der Sauna aus eben direkt auf den Traunsee sehen konnten, war die Variante der Abkühlung schnell gefunden.

Nach der Erfrischung im kühlen Nass haben wir uns mit Tee und getrockneten Früchten, die zur Verfügung standen, gestärkt und zu zweit in eine Kuscheldecke in den Loungebereich an den See gelegt um die Ruhe vom stressigen Alltag zu genießen.

 

Schwerenherzens mussten wir dann aber nach einiger Zeit doch langsam Richtung Zimmer um uns für das Abendessen fertig zu machen.

Mittlerweile hatte sich bereits der Nebel wie eine Decke über den See gelegt und die untergehende Sonne verdeckt. Im „Bootshaus“, so der Name des Restaurants, erwartete uns bereits unser Tisch.

Einrichtung und Dekoration farblich auf die Zimmereinrichtung abgestimmt, das Licht etwas abgedunkelt (aber nicht zu dunkel), der Tisch dezent dekoriert mit einem Blumenbouquet und einer angenehm duftenden Kerze.

Der Blick auf den See bei Kerzenlicht, seinen Herzensmensch gegenüber, was will man mehr!

Ein kulinarischer Abend

Das Serviceteam bereitete alles für einen genussvollen Abend vor. Passend zum mehrgängigen Menü entschieden wir uns für eine Weinbegleitung und legten unser Vertrauen in die Hände des Sommeliers, was wir – soviel darf vorab schon verraten werden – nicht bereuten.

 

Mit einer kleinen „Armada“ an Grüßen aus der Küche wurde unser Tisch eingedeckt. Sogar Lukas Nagl, der Chefkoch des Hauses, half beim Servieren und erklärte welche Köstlichkeiten uns hier erwarteten.

Schon hier merkte man, dass der Abend nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird!

Als erstes Gericht des Abends servierte man uns die Seeforelle mit Rettich, Apfel und Sauerampfer. Der Fisch war nur ganz zart gebeizt, der Rettich ein schöner Gegenspieler mit feiner Säure. So blieb der Fisch wirklich das Hauptprodukt auf diesem Teller und hatte einen angenehmen Eigengeschmack.

 

Darauf folgten Traunseekrebse mit gegrilltem Kraut, Douglasien und karamellisierter Kümmel. Auch hier wieder ein sehr feines Säurespiel und eine tolle Produktqualität. Das Kraut brachte den nötigen Pepp ins Spiel. Wie wir vom sehr herzlichen und bemühten Servicepersonal erfuhren, wird im Bootshaus regionale Küche zelebriert, d.h. man kennt seine Bauern wo man Gemüse und Fleisch bezieht und mit der Lage direkt am See hat man natürlich einen herrlichen Fundus an Süßwasserfischen und eben auch Krebsen.

Die Schleie mit weißem Lauch, weißem Mais und Zitrone servierte man uns auf einem massiven Keramikteller. Zarte Aromen die in der Summe wieder ein sehr harmonisches Gesamtbild ergaben.

Der leicht körnige, aber sehr schmackhafte Mais, bildete einen schönen Kontrast.

Anfängliche Bedenken, dass 6 Gänge viel zu viel für uns werden würden, legten wir mittlerweile ad acta. Das Menü war wirklich gut durchdacht und so freuten wir uns zu Recht auf den nächsten Teller.

 

Nun war es der erste der beiden Fleischgänge der an unseren Tisch gereicht wurde.

Die Blunz´n (Blutwurst) mit Rotkraut, Kerbelwurzel und Williamsbirne.

Das Kraut hatte ein herrliches Aroma, richtig herbstlich, ich persönlich freue mich jedes Jahr wieder darauf. Die Blunz´n wurde mit zweierlei Sauce bzw. Jus verfeinert.

Ein etwas rustikalerer Gang der aber trotzdem gut durchdacht und abgeschmeckt war.

 

Der zweite und zugleich letzte Fleischgang dieses Abends widmete man dem Lamm.

Genauer gesagt wurde hier ein Rutzenmooser Bio Lamm vom Züchter des Vertrauens mit Puntarelle, Feige und Berglinsen verarbeitet. Die Sauce allein war schon ein Traum und das Lamm durfte kurz vor dem Servieren noch auf den Grill gelegt worden sein, denn es hatte richtig fein abgestimmte Raucharomen, die das Gericht optimal ergänzten.

Auch hier wieder saisonale Küche,  die ihre Wirkung nicht verfehlte.

 

Da nun doch langsam ein gewisses Sättigungsgefühl bei uns aufkeimte, war es uns nicht unrecht, dass das Menü langsam in die Zielgerade einbog.

Sowohl der Wunsch nach etwas Süßem als auch der nach Käse konnte – wie fast alle Wünsche – vom Serviceteam erfolgreich erfüllt werden.

Für die Dame das fruchtig-süße Dessert, meine Wahl fiel dann doch auf den Käse, der den perfekten Abschluss bildete.

Nichts desto trotz kam ich in puncto Schokolade nicht zu kurz denn als allerletztes Dessert gab es noch eine opulente Auswahl an Pralinen.

Die letzte Stärkung

Eindruck hinterließ auch anfangs angesprochene Weinbegleitung.

Man setzt hier mutig auf biodynamische Weine und schafft es auch über die Grenzen die Auswahl gekonnt auf die einzelnen Gerichte abzustimmen.

Als kleiner Digestif wurde uns noch ein Nussschnaps ans Herz gelegt, den der Chef des Hauses selbst angesetzt hat. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen.

 

So ging ein wahrlich genussvoll-entspannter Abend würdig zu Ende. Jedoch keimte auf dem Weg ins Zimmer bereits etwas Wehmut auf durch das Wissen, dass am nächsten Tag die Abreise erfolgt.

Nichts desto trotz gönnten wir uns am nächsten Morgen noch ein ausgedehntes  Frühstück, wo man unsere Erwartungen wieder mehr als erfüllte.

Eine breit gefächerte Auswahl an Brot- und Gebäck, selbstgemachten Aufstrichen, Obst, Müsli, etc... was das Herz begehrt. Wir waren so in den Moment vertieft, dass wir leider verabsäumten die ganze Bandbreite des Dargebotenen auf Bild festzuhalten.

Also gibt es nur eine Möglichkeit für jeden, der diese Zeilen liest: hinfahren!

Wir waren schon in einigen Hotels unterwegs und haben Specials wie diese gebucht.

In der Art sind wir bis dato noch nicht umsorgt worden und das hat nicht bei den Mitarbeitern aufgehört. Selbst der Chef des Hauses erkundigte sich mehrfach während unseres kurzen Aufenthaltes ob alles zu unserer Zufriedenheit sei, was keine Selbstverständlichkeit für uns war.

 

Hier wird ein Betrieb mit Herz geführt und das merkt man vom Empfang bis eben zur Geschäftsführung des Hauses.

Schweren Herzens traten wir wieder die Heimreise an jedoch mit der Gewissheit im Gepäck, dass dieser Besuch bestimmt nicht unser letzter war.