Eine Bergtour auf den Traunstein

Avatar of Wolfgang Gröller Wolfgang Gröller - 23.10.2017 - Aktiv & Natur

An einem schönen Sommertag Ende August war es wieder einmal so weit. Ich wollte mir eine kurze Auszeit gönnen und unserem „Wächter vom Salzkammergut“ einen Besuch abstatten. Hier erfahrt ihr, wie faszinierend so eine Bergtour ist. Als naturverbundener Mensch fasziniert mich das Höllengebirge mit seinen Ausläufern. Da Traunkirchen und „Das Traunsee“ gegenüber und somit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Traunstein liegen, fragen unsere Gäste des Öfteren nach einer geeigneten Bergtour. Ich schlage dann meist die Begehung über den Naturfreundesteig vor. Das hat gleich mehrere Gründe.

Für Anfänger und Fortgeschrittene ein Genuss

Die häufigste Frage sei gleich zu Beginn beantwortet: Ja, der Naturfreundesteig ist auch für Anfänger geeignet. Der leichte bis mittelschwere Klettersteig entspricht der Bewertung A/B mit Tendenz zu B. Es sind demnach keine Überhänge oder glatte Felswände zu bezwingen – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dennoch angesagt. Auch ein wenig Kondition sollte vorhanden sein, immerhin ist in knapp 3 Stunden ein Höhenunterschied von 1.250 m zu überwinden. Gutes Schuhwerk, Klettersteigausrüstung und Helm gehören neben körperlicher Fitness zu den Basics. Dann können Anfänger und konditionsstarke Kinder aber voll durchstarten. Auch fortgeschrittene Bergfexen werden auf ihre Kosten kommen, da die Bergtour abwechslungsreich ist und die beeindruckende Fernsicht ohnehin Emotionen freisetzt. Also, los geht’s …

Der Einstieg in das Bergtour-Abenteuer

Der Traunstein in den Morgenstunden

Die Meteorologen haben für den heutigen Augusttag wieder schönes Sommerwetter mit heißen Temperaturen vorhergesagt. So mache ich mich bereits um 6 Uhr auf zur Bergtour und erreiche nach kurzer Anfahrt den Parkplatz am Ende der Traunsteinstraße. Bereits vor dem Einstieg kommt der Körper leicht auf „Betriebstemperatur“. Denn zunächst steht ein kurzer Marsch entlang der Forststraße an, dem sich zwei Tunnels anschließen. Unmittelbar nach dem zweiten Forststraßentunnel erfolgt der Einstieg in den Naturfreunde-Klettersteig – steil und mit Seilsicherungen versehen, geht es im Fels aufwärts. Es schließt sich ein Waldstück an sowie eine erneut mit Seilen gesicherte Querung. Der parallel verlaufende SW-Grat des Traunsteins wird mir zum imposanten Wegbegleiter. Und es soll kurz danach noch besser kommen.

Sulzkogelscharte, „Himmelsleiter“ und Schrägtreppe

In Serpentinen bewege ich mich durch einen Bergwald, der sich markant von dem ansonsten schroffen Gestein absetzt. Da tut sich mir mit einem Mal der markante Felsturm des Sulzkogels auf. Für die bisherigen leichten Strapazen werde ich mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Weiter geht es nun auf 800 m in die Sulzkogelscharte, wo mich eine 8 m hohe Metallleiter erwartet. Stufe für Stufe erklimme ich die „Himmelsleiter“ und erreiche schon bald das nächste markante Hindernis – eine steile, sehr ausgesetzte Felsrampe. Klammer-Stufen helfen mir, mich auf dieser „schrägen Treppe“ fortzubewegen. Schwindelfrei überwinde ich auch dieses Hindernis und erreiche ein flacheres Stück mit einer urwaldähnlichen Landschaft. Es ist schon beeindruckend, wie natürlich sich der Klettersteig präsentiert. Denn die Bergfreunde haben so wenig wie nur möglich in die Natur eingegriffen. Überall tritt das Wurzelwerk der Bäume zutage und wird mir zur natürlichen Steighilfe. Ich durchquere die Flora und stoße auf ein Hinweisschild mit Aufschrift „Überstieg 1.020 m“. Die Bezeichnung Überstieg stammt aus einer Zeit, als der Naturfreunde-Klettersteig noch durch die Westwand führte. In etwa die Hälfte des Anstiegs habe ich zu diesem Zeitpunkt bewältigt – und freue mich schon auf die nächsten Höhenmeter.

Hinauf zum Bösen Eck und einem besonderen Fenster

Ausblick auf Traunkirchen

Nachdem ich die Latschenkiefern passiert habe, wird die Flora nun spärlicher und die Felsenlandschaft zieht mich in den Bann. Anfänger, die hinauf zum sogenannten Bösen Eck marschieren, müssen im Übrigen keine Sorge haben, vom Pfad abzukommen. Zwischen den einzelnen Steighilfen ist der Pfad mir roten Markierungen versehen. Kein Wunder übrigens, dass der Naturfreundesteig zu den schönsten Klettersteigen der Ostalpen gehört. Auch ich entdecke auf der Route immer wieder Neues – und dann ist da stets der gigantisch schöne Ausblick auf den Traunsee, umgeben von Wäldern und Gebirgsmassiven des Salzkammerguts. Ich gelange nun auf einen Grat, den ich nach der „Scherertafel“ linker Hand verlasse und quere ein breites Schuttkar. Als ich das Böse Eck erreiche, stellen sich mir ein letztes Mal steile Felswände in den Weg, die ich mit Hilfe von Seilversicherungen leicht überwinde. Und dann blicke ich mit einem Mal durch ein Fenster, geformt aus Felsen – eine schöne Laune der Natur. Für mich wird das Felsenfenster zum Tor, das ich durchsteige, um die letzten Meter auf den Traunkirchner Kogel zum Naturfreundehaus/Traunsteinhaus zu begehen.

Das Traunsteinhaus und der Abstieg über den Hernlersteig

Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass ihr den Ausblick von der Sonnenterrasse des Traunsteinhauses so schnell nicht vergessen werdet. Jeder Höhenmeter zahlt sich hier aus und wird mit einer Aussicht belohnt, die ihresgleichen sucht. Und hier oben wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Ich gönne mir einen leckeren Kaiserschmarrn mit Kompott und trinke dazu eine Radler Halbe. Nachdem ich nochmals einen Blick von der Panoramaterrasse geworfen habe, mache ich mich auf die letzten Meter zum Gipfelkreuz und anschießend auf den Abstieg über den Mair Alm Steig.

Unten angekommen, gibt es für originale Traunsteiner Wasserratten wie mich die Möglichkeit, sich in die Fluten des Traunsees zu stürzen. Kurz nach Mittag bei 30 °C ist die Erfrischung im kühlen Traunsee eine Wohltat. Über den Miesweg am Ufer des Traunsees gelange ich zurück zum Auto. Ach, schön war's wieder.

Fazit:
Wenn ihr einen relativ leicht begehbaren und dennoch abwechslungsreichen Klettersteig im Salzkammergut sucht, dabei eine grandiose Fernsicht und ein kulinarisches Schmankerl genießen möchtet, kann ich euch den Naturfreundesteig hinauf zum Traunstein wärmstens empfehlen. Es gibt im Übrigen auch anspruchsvollere Steige (z. B. Traunsee-Klettersteig), die aber wirklich nur von versierten Bergsteigern mit entsprechender Kondition und Ausrüstung begangen werden sollten. Als besonderen Leckerbissen für den Naturfreundesteig empfehle ich meinen Gästen die Anfahrt mit dem „Wassertaxi“ von Traunkirchen aus. Beim Lehenansatz geht es aus dem Boot – dann direkt zum Einstieg auf den Naturfreundesteig. Das spart eine halbe Stunde Zeit und bietet ein zusätzliches Erlebnis.


Wolfgang Gröller wünscht euch einen tollen Urlaub am Traunsee im Salzkammergut.



Über Wolfgang Gröller

Wolfgang Gröller

Wolfgang Gröller ist mit ganzem Herzen Hotellier, Wirt und Traunkirchner. Er führt in 3. Generation mit seiner Frau Monika die Traunseehotels. An seiner Heimat Traunkirchen schätzt er die einzigartige Natur und das vielfältige Brauchtum.